05-05-08 - #3

April 29, 2005

Nachdem dieser Aufruf, inklusive einiger dort unterzeichnender Gruppen, eh schon unerträglich war, zieht die KP Berlin wenigstens jetzt, nachdem das Tragen von Fahnen der Alliierten und des Staates Israel für unerwünscht erklärt worden war, die Konsequenzen und verläßt, mit nachfolgender Erklärung, das Demo-Bündnis.

An die Gruppen im Aktionsbündnis “Spasibo heißt Danke”
Erklärung zum Ausstieg von Kritik & Praxis [KP] Berlin

Am 8. Mai wurde die bedingungslose Kapitulation Deutschlands gegenüber den alliierten Streitkräften erklärt. Auch wenn alle Opfer des Faschismus auf diesen Tag zu lange warten mussten, ist es ein Tag des Sieges. Dieser Sieg konnte nur mit großen Opfern errungen werden unter und von all denjenigen, die sich dem Faschismus entgegenstellten. Unser Dank gilt am 8.Mai 2005 all denjenigen, die mit ihrem Kampf und Widerstand das Ende des Faschismus und damit das Ende von Massenvernichtung und Krieg herbeigeführt haben.

Und da dies anscheinend nicht vorausgesetzt werden kann, wollen wir nochmals erwähnen wer unter anderem alles dazugehört: neben den Siegermächten Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich, zahlreiche Partisaninnen und Partisanen, und andere Widerstandskämpfer, darunter auch die zionistischen Widerstandskämpfer vom Warschauer Ghetto. Ebenso trauern wir um all diejenigen, für die die Befreiung zu spät kam. Und unsere Solidarität gilt all denjenigen, die von vom Faschismus verfolgt wurden.

Wie auch immer man zu der gegenwärtigen Politik dieser Staaten oder dem Tragen von Fahnen stehen mag, auf Grund dieser historischen Tatsachen können wir den Beschluss vom letzten Bündnistreffen nicht mittragen: Träger von Fahnen der Siegermächte oder Israels, dessen Gründung eine unmittelbare Reaktion auf die Judenvernichtung war, auf der Demonstration nicht zu dulden. Ebensowenig können wir mittragen, dass kein grundsätzlicher Verzicht auf Gewalt gegenüber den Fahnenträgern beschlossen wurde.

Aus diesen Gründen erklären wir hiermit unseren Ausstieg aus dem Bündnis.

[Appell an das — bei der KP wohl leider unvermeintliche —, große linke “Wir” gesnippt]

See you at the barricades am 8.Mai 10.00 Uhr Bertolt-Brecht-Platz!

Kritik & Praxis [KP] Berlin

Ich trage eine Fahne … *sing* :-)

(Fahne geklaut von LEftist)

Nachtrag: Artikel von Ivo Bozic in der aktuellen Jungle World: Kein Platz für Sieger.

Ein schöner Tag

Gute-Laune-Musik: Russendisko

05-05-08 - #2

April 28, 2005

Erklärung der AANO, warum sie am 8. Mai nicht auf die Straße gehen:

Deutschland befreit sich
Warum wir am achten Mai nicht auf die Straße gehen

ZUM GELEIT
Auch die Generationen, die nach dem Krieg geboren sind, wissen, dass die Jahre der Naziherrschaft ein nie auslöschbarer Teil der deutschen Geschichte sind. Sie selbst haben keine Schuld auf sich geladen. Aber sie wissen, dass sie Verantwortung tragen für die Bewahrung der Erinnerung und die Gestaltung der Zukunft.
(Bundespräsident Horst Köhler vor der Knesset in Jerusalem, 2.Februar 2005)

Antifaschismus ist auch sechzig Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus die wichtigste Investition in die Zukunft.
(Antifa KOK, Aufruf zur Demonstration “Gegen Faschismus und Krieg” am 8.Mai 2005, Düsseldorf)

INTRO
Der achte Mai 2005 wird voraussichtlich das größte nationale Spektakel seit den Wiedervereinigungsfeiern. Unzählige Veranstaltungen, Diskussionsbeiträge und Gedenkfeiern sind von links bis rechts angekündigt. Die Antifagruppen, die etwas auf sich halten feiern die Befreiung ihres Provinznestes oder ihres Kiezes und offenbaren sich damit als die verkappten Lokalpatrioten, die Antifas nun mal sind. Allein die Vielzahl der “Liberation-Parties” in Berlin könnte einen vermuten lassen, es wäre sechzig Jahre danach mehr los, als am achten Mai 1945. Vor lauter Befreiungsbesoffenheit gerät die Beschaffenheit und die Funktion des deutschen Spektakels “achter Mai” außer Blick.

ES GEDENKT
Die schon vor Monaten in Zeitungssonderbeilagen, TV-Themensendungen, Veranstaltungsreihen und vielem mehr angelaufene Debatte um den Jahrestag der Befreiung kulminiert im sogenannten “Tag für Demokratie” vor dem Brandenburger Tor. Quer durch die Gesellschaft reicht das Bekenntnis zum geläuterten Deutschland: alle gängigen Parteien, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Kirchen und Sozialverbände und unzählige Funktionsträger und Einzelpersonen, also das, was in Deutschland Zivilgesellschaft simuliert, unterzeichneten bislang den Aufruf zum “Tag für Demokratie”, dessen zentraler Satz ein Zitat Richard von Weizsäckers ist, in dem es heißt “Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.”. Befreit wurden also “wir alle”, d.h. auch die Deutschen, die dem Nationalsozialismus bereitwillig zur Macht verholfen hatten und ihn bis zuletzt stützten. Die Frechheit der im Aufruf aufgestellten Behauptung, die Hoffnung der Menschen, die im Mai 1945 von der deutschen Herrschaft befreit wurden, hätte sich auf ein “vereinigte[s] Deutschland” gerichtet, fällt kaum auf, ist sie doch geschickt mit der salbungsvollen Vision eines “friedlichen, zusammenwachsenden Europa” verknüpft. Das Leiden der Deutschen findet selbstverständlich auch seine Erwähnung, allerdings nicht als Gleichsetzung mit den Opfern des nationalsozialistischen Wahns, sondern als Kriegsfolge, soviel hat man aus den Debatten der vergangenen Jahre gelernt: Knopp’sche oral history kann das Bekenntnis zu den Ursachen nicht ersetzen. Das soll sie auch nicht, Schuld impliziert neuerdings schließlich die “Verantwortung”, aus der sich soviel moralische Haltung und politisches Handlungspotential schöpfen lässt.

UNGLEICHZEITIGKEITEN
Die Nachkriegsdeutschen hatten es schon nicht einfach mit ihrer Nation: ein bruchloser Bezug auf nationale Kontinuitäten kam nicht in Frage, die berühmten “dunklen 12 Jahre” auszusparen bot keine Glaubwürdigkeit, folgerichtig entwickelte sich parallel zum Friedensschluß der sogenannten 68er mit der Tätergeneration ein geschickter Dreischritt aus Schuldeingeständnis, Verantwortungsübernahme und Identität durch Erfahrung. Das ganze Gedenkjahr 2005, das im achten Mai seinen vorläufigen Höhepunkt findet, hat nun zum Ziel die ideologischen Ungleichzeitigkeiten in der deutschen Bevölkerung aufzulösen. Anachronistische Haltungen zur Niederlage Deutschlands werden durch das anerkennende Zugeständnis des deutschen Leids in ein kollektives Befreiungsgefühl transformiert: “wir alle” wurden von Gewalt und Leid befreit. “Wir alle” haben Schreckliches durchgemacht, “wir” haben daraus gelernt und können deshalb besonders gut der Welt erklären, wie sie einzurichten sei. Das mißmutige Beharren auf der Niederlage steht einem zukunftsfähigen Deutschland im Wege. Nur so, nicht aus einem plötzlich erwachten kritischen Bewußtsein, ist beispielsweise die Empörung über den CDU-Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf zu erklären, dessen Unwille die Befreiung zu feiern eine bundesweite mediale Kampagne auslöste. Wer die veröffentlichte Meinung sogenannter linksliberaler Publizisten und Historiker als Merkmal einer genuin bürgerlichen Gesellschaft mit der ganzen Bandbreite politischer Fragmentierung ansieht, irrt, denn die sekundäre Volksgemeinschaft kennt keine kritische öffentliche Debatte, sie kennt vor allem Deutsche.

GNADENLOS NORMAL
Im Gedenkspektakel vermittelt sich dem einzelnen Subjekt die notwendige Ideologie im Interesse des Souveräns. Das Schuldeingeständnis, das Sprechen von Aufarbeitung der Vergangenheit und Bekämpfung des Neonazismus ist keine Heuchelei der herrschenden Klasse, wie es von der Linken gerne kolportiert wird, sondern ist Ideologie im Sinne des Begriffs: hinter dem Rücken der Akteure sich konstituierendes, notwendig falsches Bewußtsein, das sich analog zum politökonomischen Sachzwang auf nationaler Ebene fortentwickelt. Das neue Selbstbild der Deutschen synthetisiert Schuld und Stolz und macht sich innen- wie außenpolitisch nützlich: mit einem Patriotismus der den Nationalsozialismus als tragischen Gründungsmythos verarbeitet hat, lässt sich zum Beispiel in der aktuellen Debatte um den Umbau des Sozialwesens leichter an die nationale Verantwortung von Kapital und Arbeit, bzw. an die Leidensfähigkeit der von beidem Ausgeschlossenen appellieren, ohne eindeutige Reminiszenzen heraufzubeschwören. Mit diesem Patriotismus kann auch das Existenzrecht Israels beteuert und gleichzeitig mit der Appeasementpolitk gegenüber islamistischen und arabisch-nationalistischen Regimes und Bewegungen in Frage gestellt werden.

ANGRIFFSLUST UND RATLOSIGKEIT
Die Kritik der antifaschistischen Linken anlässlich des Gedenkspektakels geht derweil am Gegenstand vorbei: mal werden historische Fakten aneinandergereiht und versucht ins Bewußtsein zu rufen, wer Schuld an Vernichtung und Krieg hatte, mal werden unaufgearbeitete Kontinuitäten deutscher Traditionspflege ans Licht geholt. Ein löbliches Unterfangen, was angesichts des aktuellen Schuldeingeständnisses dennoch ins Leere läuft. Ganz moralisch wird sich empört, dass des Leidens der Deutschen gedacht wird, dabei ist das gar nicht die Frage: natürlich haben Deutsche im Krieg gelitten und folgerichtig gedenken die Betroffenen dieses Leidens ihrer Geschichte, auch im nationalen Rahmen. Dass dem deutschen Herrschaftsprojekt nur mit Krieg zu begegnen war, versteht sich allerdings von selbst. Die Frage, die über ein moralisches “Recht ist’s euch geschehen!” hinausweisen würde, wäre die nach der kommunistischen Aufhebung der Voraussetzungen des Wahns und der deutschen Unfähigkeit zu trauern, was zu Gunsten diebischer Freude über britische bomber commands und aktionistischen Schwenkens alliierter Fahnen aufgegeben wird. Die sozialrevolutionären Linken aber, die glauben erkannt zu haben, wo die Ursachen des Faschismus liegen und deshalb den Kapitalismus überwinden wollen, haben sich durch ihren Pakt mit dem Volksmob, ihr interessiertes Verwechseln von Klassenkampf mit konformer Revolte vor dem Hintergrund der Anti-Hartz-Proteste längst selbst desavouiert.

Angesichts dieser Konstellation am achten Mai eine Praxis zu entwickeln, die nicht als Ersatzhandlung auf der Repräsentationsebene verharrt, erscheint uns kaum möglich. Mit den Linken die deutsche Avantgarde im Kampf gegen anachronistische Störenfriede zu bilden widert uns an. Kommunistischer Kritik bleibt in diesem Szenario nurmehr die Rolle beschieden, das Spektakel des achten Mai und seine Akteure als das zu denunzieren, was sie sind: zutiefst ideologisch, eben deutsch auf der Höhe der Zeit.

Autonome Antifa Nordost Berlin
im April 2005

Dabei schrieben sie im Januar noch solche netten Sachen:

Die 60ten Jahrestage der Befreiung sind für die Autonome Antifa Nordost [AANO] ein wichtiger Anlass ihre politischen Forderungen auf die Straße zu tragen. (…) Wir planen an diesem Tag einen Aktionstag gegen die deutschen Zustände an dem wir mit vielfältigen Aktionen in der Stadt den Sieg der Alliierten feiern und den Millionen Opfer des Nationalsozialismus gedenken werden. (…) Wir werden weder mit der deutschen Zivilgesellschaft gegen die Neonazis demonstrieren, noch unsere Demonstration durch die frühere Anmeldung NPD verschieben oder aufgeben. (…) Nicht die Neonazis sind das Problem; das Problem ist Deutschland. Deshalb fordern wir auch 60 Jahre nach Niederschlagung des Nationalsozialismus wieder die völlige Demilitarisierung von Deutschland, ein Verbot von jeglichen Vertriebenenverbänden und das Deutschland wieder unter die Kontrolle von Alliierten gestellt wird.

Schade eigentlich. Wie wäre es denn stattdessen mit einen Sektempfang — vielleicht auch mit ein wenig Moskovskaya? Aber das gab’s doch auch schon mal, oder?

05-05-08 - #1

Viel sinnvolles zum Tag der Befreiung findet sich — wie sollte es auch anders sein in der deutschen Linken — ja nun nicht. Der folgende Text erscheint mir noch der vernünftigste:

Genau 60 Jahre ist es nun her, dass die sowjetische Armee Berlin, die Hauptstadt des nationalsozialistischen Deutschlands, eroberte und die Führung der Wehrmacht zur bedingungslosen Kapitulation zwang. Sechs Jahre lang, von 1939 bis 1945, hatte es gedauert, bis die sowjetischen, britischen, US-amerikanischen und französischen Truppen unter Millionen Opfern die Barbarei, die von Deutschland seit 1933 ausgegangen war, bezwungen hatten. Menschen aus dutzenden Ländern brachten dafür Opfer: Als SoldatInnen, PartisanInnen, WiderstandskämpferInnen und in vielen weiteren Funktionen.

Der Sieg über Nazideutschland bedeutete das Ende des millionenfachen Massenmords an jüdischen Menschen, Roma und Sinti sowie zahlreichen anderen verfolgten Gruppen. Diese Verbrechen, insbesondere die industrielle Vernichtung der jüdischen Menschen Europas, konnten nicht anders als durch den Krieg und die Alliierten gestoppt werden: Weder die “abendländische Zivilisation” oder die humanistische und christliche Tradition, noch die Linken und ArbeiterInnenbewegungen hatten der Barbarei einer Mehrheit der Deutschen etwas Entscheidendes entgegenzusetzen. So entstand als Konsequenz des Nationalsozialismus auch der Staat Israel als Schutzraum für vom Antisemitismus verfolgte Menschen, mit der Fähigkeit zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung.

Die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung unterstützte den Nationalsozialismus (NS) bis zuletzt und nahm die Eroberung und Besetzung Deutschland durch die Truppen der Anti-Hitler-Koalition mitnichten als Befreiung, sondern als katastrophale Niederlage wahr. Freude und Erleichterung empfanden hingegen die Verfolgten und Feinde des Nazi-Regimes in den Konzentrationslagern und Gefängnissen, in den von der Wehrmacht besetzt gewesenen Ländern sowie im illegalen Widerstand. Bis heute prägt die Tatsache, dass die übergroße Mehrheit der historischen Deutschen aus Nazis bestand, trotz aller regierungsamtlichen Gedenkfeiern den Umgang dieser Gesellschaft mit ihrer Geschichte.

Es sind nicht nur die erstarkenden Neonazis, welche die Deutschen als unschuldige Opfer der Alliierten darstellen. Die Identifizierung mit den deutschen TäterInnen reicht bis weit ins sogenannte demokratische Lager. Etwa bis zur CDU in Berlin-Zehlendorf, welche jüngst den deutschen Toten gleichberechtigt mit den Opfern und GegnerInnen der Nazis gedenken wollte, und deren BVV-Verordneten die Worte entschlüpften, er könne doch auch nichts dafür, wenn er in manchen Fragen mit der NPD übereinstimme. Aber auch jene “DemokratInnen” die sich immer eilfertig von Neonazis distanzieren, möchten ungeheuer gern und viel über das Leid der Deutschen reden, das ihnen bei dem Versuch zugefügt wurde, ihrem mörderischen Treiben ein Ende zu setzen.

Eine Mehrheit der heutigen deutschen Gesellschaft berauscht sich an dem immer wieder spektakulär in den Medien aufbereiteten deutschen Leid des Kriegsendes und will einen Schlussstrich unter die doch immer noch — und nicht nur in Gestalt der Neonazis — gegenwärtige Vergangenheit ziehen. Am cleversten stellen sich dabei gerade diejenigen berufsmäßigen VertreterInnen Deutschlands an, die am lautesten ihren Abscheu vor alten und neuen Nazis und ihren Verbrechen bekunden. Bei ihnen wird aus der Distanzierung von der eigenen Vergangenheit ein wirksames Argument, um erneut eine politisch, wirtschaftlich und militärisch mächtigere Rolle Deutschlands in der Welt einzufordern: Nicht trotz, sondern wegen Auschwitz seien die angeblich geläuterten Deutschen berufen, sich überall in der Welt einzumischen — selbstverständlich vollkommen uneigennützig (deutsche Großmachtambitionen wurden nämlich immer mit höherer Moral begründet, während man den Eigennutz beständig nur bei den Rivalen, vorzugsweise den USA und Großbritannien,
vermutete).

Diese Art Selbstlosigkeit führt die deutsche Außenpolitik immer wieder in mehr oder weniger intensive Flirts mit den geschworenen Feinden Israels, der USA und jeglicher individueller Selbstbestimmung: Nationalistische russische und chinesische Machthaber, iranische Mullahs, libanesische Islamisten und palästinensische Terroristen.

(…)

Wir sind der Meinung, dass es etwas Besseres geben muss als die Nation, den Staat, den Kapitalismus und die gegenwärtige Ordnung der Geschlechterverhältnisse — etwas Besseres als Deutschland!

Quelle: 8.mai.tk

Kunst

99rooms

Happy Birthday

April 1, 2005

The staff of The Family Birthplace are delighted to announce the birth of a daughter to Patricia and Ronald

via: male.dei

Gelangweilt

Gestern war also nun die Buchvorstellung von Ilka Schröder im Kato.

Nun, was soll ich sagen, so richtig vom Hocker gehauen hat’s mich ja nicht, was Ilka dort referierte. Vor allem zu Beginn kam ich mir vor, wie in einem Uni-Seminar “Einführung in die (Kritik der) Politik der (Staaten der) Europäischen Union”. Das Wissen um die Anzahl der Mitgliedsstaaten der EU, wann welche sich wieso zusammengeschlossen haben, hätte ich doch schonmal vorausgesetzt. Genauso, wie den von ihr angerissen Punkt, welche Rolle der jeweilige Staat als “ideeller Gesamtkapitalist” innerhalb der EU erfüllt. Insgesamt fand ich es viel zu oberflächlich und was jetzt an dem Buch nun so sehr kritisch sein soll weiß ich auch nicht. Ilka stellte ein paar (dürftige) Fakten vor, die in meinen Augen ein jeder wohl hätte schon wissen können/sollen resp. nicht schwer zu recherchieren gewesen wären. Es mag sein, daß das Buch um einiges tiefer in die Materie eindringt, schön wäre es aber gewesen, man hätte dieses Ilkas Referat auch angemerkt. Kurzum: Ich habe mich gelangweilt.

Ach ja, eins rettete den Abend dann doch noch: Von Egotronic gabs dreckigen Punk-Rock :-)

Fatale Botschaft

Oliver Tolmein in der letzten Jungle World:

(…)

So wurde die juristische und moralische Auseinandersetzung um Leben und Tod einer schwerbehinderten Frau gleichzeitig als Fortsetzung der Auseinandersetzung zwischen dem guten Amerika Michael Moores und dessen finsteren christlich-fundamentalistischen Antipoden erzählt. Dazu passte es gut, dass in Deutschland gleichzeitig die mit mehreren Oscars prämierten Filme »Das Meer in mir« und »Million Dollar Baby« in die Kinos kamen. In ihnen geht es um Menschen mit schweren Behinderungen, deren Tod jeweils von den Regisseuren als zwar traurige, aber doch auch beste aller Lösungen eines »tragischen Schicksals« präsentiert wird.

Auffallend ist, dass es in den Filmen niemals andere sind, die den Tod der Menschen im Wachkoma fordern oder die Menschen mit Querschnittslähmungen den Lebensmut rauben. Die ProtagonistInnen verlangen in den Filmen selbst, dass ihnen aus dem Leben geholfen wird. Im wirklichen Leben hat Schiavos Mann Michael nur deshalb das Recht erhalten, den Abbruch ihrer künstlichen Ernährung zu veranlassen, weil es ihm gelungen ist, diesen Tod durch Verhungern und Verdursten als ihren eigenen Wunsch darzustellen. Tatsächlich ist es auch nicht auszuschließen, dass Menschen mit schweren Behinderungen freiwillig aus dem Leben scheiden und sich dafür möglicherweise fremder Hilfe versichern müssen, so wie auch Menschen ohne Behinderung sich bisweilen umbringen.

Fatal ist aber, dass in den Geschichten, die gegenwärtig auf der Leinwand und im Gerichtssaal erzählt werden, das Publikum den Todeswunsch nur allzu verständlich findet und sich mit einem zustimmenden »so möchte ich auch nicht leben« weit zurücklehnt, statt Phantasie zu entfalten, wie das Leben der Betreffenden vielleicht auch trotz schwerer Behinderung gut zu leben sein könnte.

(…)

Quelle: http://jungle-world.com/seiten/2005/13/5204.php

Ganz (un)passend dazu nnnngnnggh

letzteres via: male.dei