Fatale Botschaft
April 1, 2005Oliver Tolmein in der letzten Jungle World:
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So wurde die juristische und moralische Auseinandersetzung um Leben und Tod einer schwerbehinderten Frau gleichzeitig als Fortsetzung der Auseinandersetzung zwischen dem guten Amerika Michael Moores und dessen finsteren christlich-fundamentalistischen Antipoden erzählt. Dazu passte es gut, dass in Deutschland gleichzeitig die mit mehreren Oscars prämierten Filme »Das Meer in mir« und »Million Dollar Baby« in die Kinos kamen. In ihnen geht es um Menschen mit schweren Behinderungen, deren Tod jeweils von den Regisseuren als zwar traurige, aber doch auch beste aller Lösungen eines »tragischen Schicksals« präsentiert wird.
Auffallend ist, dass es in den Filmen niemals andere sind, die den Tod der Menschen im Wachkoma fordern oder die Menschen mit Querschnittslähmungen den Lebensmut rauben. Die ProtagonistInnen verlangen in den Filmen selbst, dass ihnen aus dem Leben geholfen wird. Im wirklichen Leben hat Schiavos Mann Michael nur deshalb das Recht erhalten, den Abbruch ihrer künstlichen Ernährung zu veranlassen, weil es ihm gelungen ist, diesen Tod durch Verhungern und Verdursten als ihren eigenen Wunsch darzustellen. Tatsächlich ist es auch nicht auszuschließen, dass Menschen mit schweren Behinderungen freiwillig aus dem Leben scheiden und sich dafür möglicherweise fremder Hilfe versichern müssen, so wie auch Menschen ohne Behinderung sich bisweilen umbringen.
Fatal ist aber, dass in den Geschichten, die gegenwärtig auf der Leinwand und im Gerichtssaal erzählt werden, das Publikum den Todeswunsch nur allzu verständlich findet und sich mit einem zustimmenden »so möchte ich auch nicht leben« weit zurücklehnt, statt Phantasie zu entfalten, wie das Leben der Betreffenden vielleicht auch trotz schwerer Behinderung gut zu leben sein könnte.
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Ganz (un)passend dazu nnnngnnggh
letzteres via: male.dei


