Neuer antideutscher Schweinekram! Smartline sagt:
Deutsche Niederlage, nicht Befreiung!
Zum 60. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands ist es in der radikalen Linken en vogue den befreienden Charakter des alliierten Sieges zu unterstreichen. Doch was sagten die Befreier selbst vom Zwecke ihres Kampfes? Mitunter das Gegenteil: “Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung, sondern als besiegte Feindnation.” (US Presidential Directive JCS 1067, April 1945)
Disclaimer:
Selbstverständlich ist es für alle, die der Emanzipation des Individuums gewogen sind, notwendig die Geschichte aus der Perspektive der Opfer des Nationalsozialismus, also den 8. Mai 1945 als Befreiung, zu betrachten. Etwas anderes wird das Smartline-Fanzine nie behaupten. Doch darf die überschwängliche Rede von der Befreiung nicht in die allzu bequeme Identifikation der Nation der besiegten Täter mit der Befreiung der Opfer münden. Eben dies tut sie im geschichtspolitischen Diskurs der Berliner Republik jedoch fast notwendig.
Deutschland im Siegestaumel!
Das Dilemma der antifaschistischen Linken bleibt: Sie sagt das, was richtig war, nur eben mit erheblicher Verspätung. Weil Wahrheit aber einen Zeitkern hat, ist es doch wieder das Falsche, nämlich das Affirmative, ist es kaum mehr die radikalisierte Staatsdoktrin. Der unangenehme Beigeschmack der neuen linken Feierlaune ergibt sich dementsprechend auch weniger daraus, dass diese historisch rückblickend unangebracht wäre, als daraus, dass sie den aktuellen gesellschaftlichen Kontext verfehlt. Sie gibt sich als rebellische Opposition gegen eine deutsche Mehrheitsgesellschaft, die das Ende des zweiten Weltkrieges als deutsche Niederlage versteht, nur gibt es diese so einfach nicht mehr: Nach einer aktuellen Umfrage sehen heute rund 80 % der Bundesbürger im 8. Mai 1945 einen Tag der Befreiung nur 9% einen Tag der Niederlage. Doch wer aus dieser Umfrage folgert, dass jetzt alles super ist, die Antifa den erinnerungspolitischen Kampf klipp und klar gewonnen und somit einen weiteren Grund zum Feiern hat, ist nicht nur naiv, sondern hat vor allem kein Verständnis von der Geschichtspolitik der Berliner Republik. Um deren Unwesen zu verstehen, lohnt es sich, kurz die Erinnerungspolitischen Kontroversen der letzten 25 Jahre Revue passieren zu lassen.
Einstmals über die Vergangenheit zerstritten …
In den 80er Jahren — in einer Zeit also, in der die radikale Linke noch dem finstersten Antiimperialismus frönte — kam es zur ersten großen geschichtspolitischen Debatte Deutschlands, in der konservative Historiker versuchten, Deutschland von der Schuld der Vergangenheit zu reinigen, indem sie den deutschen Massenmord als eine im Grunde eher „asiatische Tat“ (Ernst Nolte), den Nationalsozialismus als kollektive Notwehr gegen den Bolschewismus verklärten. Nicht ging es darum das dritte Reich als nichtdeutsch, sondern als historisch legitim zu etikettieren. Dementsprechend vertrat der konservative Historikerstreiter Andreas Hillgruber die These, der 8. Mai sei in erster Linie nicht als Befreiung der Opfer sondern, insbesondere angesichts der Folgen für die aus den „Ostgebieten“ Vertriebenen, als bedauerliche Niederlage der Deutschen zu verstehen. Gegen solch deutschnationalen Unfug zogen liberale Linke, allen voran Jürgen Habermas ins diskursive Feld. Anstatt jedoch das zu tun, was vernünftig gewesen wäre, nämlich Deutschland jegliche Existenzberechtigung abzusprechen oder wenigstens zu erklären, dass Deutschland der Stachel seiner Vergangenheit so tief im Fleisch stecken sollte, dass es gelähmt ist, taten sie, was linke Intellektuelle tun: Sie machten sich vor allem Gedanken um die nationale Identität der Deutschen. Diese könne, so die linksliberale Lehre aus der Geschichte, legitim nur noch aus einem durchaus antifaschistisch verstandenen Verfassungspatriotismus erwachsen.
… ist es sich nun über die Zukunft einig!
Egal wer den Historikerstreit nun gewonnen hätte, klar war für beide Parteien, dass das Deutschland von heute im Grunde nichts mit den Verbrechen von einst zu tun hatte. Spätestens seitdem die Kohlregierung abgelöst wurde, ist klar, dass die Linksliberalen den Historikerstreit gewonnen haben. So verdrängt die Berliner Republik die nationalsozialistische Vergangenheit ebenso wenig, wie sie sie verherrlicht. Stattdessen hat sie sich die Habemasche Geschichtsschreibung zur Staatsdoktrin erkoren und schreit nun in alle Welt hinaus: „Wir Deutschen haben das alles hinter uns und unsere Lektion, die da Verfassungspatriotismus heißt, gelernt! Nun lernt von uns, genest an unserem neuen Wesen!“ Die Berliner Republik will nicht trotz, sondern wegen Auschwitz einem gesunden nationalen Selbstbewusstsein frönen und mit eben dieser Legitimation führte es seinen Krieg gegen Jugoslawien und moralisierte gegen den befreienden Irakkrieg der USA.
Die gut sichtbaren Leichen im Keller …
Tief im Unbewussten des deutschen Volksgeistes west jedoch dass Wissen darüber, dass die Deutschen ihren Volkswohlstand nur der im Nationalsozialismus zusammengeschweißten Volksgemeinschaft, ihr Wirtschaftswunder nur der Massenvernichtung zu verdanken haben. Weil diese Ahnung existiert, redet man in Deutschland so gern wie nirgends sonst von sich selbst und davon, wie normal doch alles hier ist, auch wenn es augenscheinlich nicht der Fall ist.
… treiben es zum Aufbruch zu neuen, alten Taten
Denn obwohl sich nicht leugnen lässt, dass in den letzten 60 Jahren hierzulande ein gewisser, wenn auch von außen aufgezwungener, Zivilisationsprozess in Gang gekommen ist, kettet nicht zuletzt dieses Wissen die Deutschen immer wieder an das alte Denken und die erstaunlich wandlungsfähige deutsche Ideologie. So ist es kein Zufall, dass sich Deutschland, soweit es die von der oberflächlichen Zivilität bestimmten Grenzen erlauben, immer wieder auf die Seite der Barbarei stellt. Dies war der Fall, als es sich als friedensbewegte Nation zu den Verbündteten des Baath-Regimes machte und dies setzt sich fort, wenn es mit seinem „kritischen Dialog“ zum sichersten Partner der iranischen Ayatollahs auf ihrem Weg zur islamistischen Atommacht avanciert. Ähnliches lässt sich erahnen, wenn eben dieses rot-grüne Deutschland sich für Rüstungsexporte gen China stark macht, Israel aber ein paar gepanzerte Fahrzeuge verwehren möchte. Diese alte deutsche Zivilisationsfeindschaft dürfte es auch sein, die deutsche Sozialdemokraten zur Jagd auf blutsaugende Heuschrecken blasen lässt.
Agenda:
Kräfte, die in Deutschland subversiv sein möchten, sollten darauf bedacht sein, gegen das real existierende Deutschland und nicht gegen ein erdachtes zu wettern. Sonst laufen sie Gefahr nur zum Sprachrohr der Staatsdoktrin zu werden, wie es sich seit dem Aufstand der Anständigen wiederholt beobachten lässt und wie es der Fall ist, wenn sich linksradikale Befreiungsfeiren von regierungsoffiziellen mehr durch den radikaleren Tonfall als durch Inhalte unterscheiden. Freilich sind neonazistische Umtriebe als solche zu brandmarken und zu bekämpfen und es kann nicht oft genug deutlich gemacht werden, dass diese Umtriebe ihren Ursprung in den Ressentiments der Mitte der Gesellschaft haben. Doch ist zu bedenken, dass diese gesellschaftliche Mitte der Berliner Republik sich sowohl aktuellen Neonazismus als auch die Geschichtspolitik betreffend als antifaschistisch versteht. Es gilt also einerseits die Döppelbödigkeit des öffentlichen Antifaschismus zu kritisieren. Andererseits, und dies ist heute wesentlich entscheidender, gilt es, immer dann zu intervenieren, wenn dieses Deutschland sich in trauter Einigkeit auf die Seite der Barbarei stellt. Denn dies ist der Ernstfall. Doch gerade hier ist in aller Regel ein Versagen der antifaschistischen Linken zu konstatieren. Für den 60. Jahrestag der deutschen Kapitulation heißt dies Folgendes: Wer den 8. Mai nicht als Tag der Befreiung feiert, hat in der Tat schon verloren. Jedoch muss deutlich bleiben, dass er, anders als in der DDR, nicht der „Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus.“, sondern der Tag der Befreiung der Welt von der Staat gewordenen deutschen Barbarei ist. Oberstes Gebot der Feierstunde ist es, bei aller Freude nicht in das gefällige klingende Horn derer, die „das Ende der Gewaltherrschaft der Nazis über Deutschland“ feiern, zu stoßen, sondern das deutsche Konzert mit hässlichen Dissonanzen zu stören. Dies heißt etwa darauf zu verweisen, dass sich die Deutschen bis zuletzt gegen die Befreiung ihrer Opfer wehrten und dass die Deutschen am 8. Mai 1945 nicht befreit sondern besiegt wurden. Die Parole sollte somit zumindest ergänzend lauten: Besatzung feiern! Die deutsche Niederlage feiern!
ceterum censemus germaniam delendam esse!
Trotzdem schönes Feiern wünscht Euer Smartline-Fanzine.
Smartline im Mai 2005